Die Suche nach der perfekten Figur: Vorstellungen und Hilfsmittel für den idealen Frauenkörper


1. Schönheitsideale, damals und heute

Äußere Einflüsse und Modeerscheinungen

Im Grunde genommen ist nichts müßiger, als über Schönheitsideale zu diskutieren, denn per Definition sind sie niemals vollständig zu erreichen. Die im Begriff eingeschlossene Vollkommenheit ist immer ein Annäherungswert, aber niemals die Norm. Trotzdem sind vermeintliche Schönheitsideale oft genug Ursache und Inhalt von selten rationalen Debatten, denn darüber, was als schön empfunden wird, entscheidet letztlich nur eins: der persönliche Geschmack.

Abgesehen davon beeinflussen ganz unterschiedliche Faktoren die Idealvorstellungen. So gilt beispielsweise das Nahrungsangebot als eine Erklärung für Unterschiede der Schönheitsideale - bei einer unsicheren Versorgungslage scheint eine größere Körperfülle als erstrebenswert, umgekehrt wird Schlankheit die Wunschvorstellung in Zeiten des Überflusses.

Das ist eine grobe Vereinfachung, die zudem kulturelle und historische Aspekte völlig ausblendet, auch klimatische Voraussetzungen spielen eventuell eine Rolle. Hier scheint die Formel zu lauten, dass schlanke Körper attraktiver erscheinen, je wärmer die Region. Vielfach sind eindeutig zuzuordnende äußere Einflüsse aber eben nicht die Grundlage für vorherrschende Schönheitsideale, sondern schlichtweg Fragen der Mode.

Zwischen fraulich und jugendlich

Das Schönheitsideal der westlichen Welt wandelt in der historischen Perspektive zwischen fraulichen „Vollweibern” und eher schlanken, jugendlichen Formen. Dieses Wechselspiel lässt sich im Prinzip bis in die menschliche Frühgeschichte zurückverfolgen, aber besonders deutlich wird die Kluft zwischen diesen beiden Polen beim Vergleich der Ideale der Frühen Neuzeit mit denen der Neuzeit. Sprichwörtlich geworden ist ja mittlerweile der Begriff der Rubensfigur, der schon lange nicht mehr nur das Schönheitsideal des Barock beschreibt. Doch bereits wenige Jahre nach dem Tod des flämischen Malers - ohne einen kausalen Zusammenhang allerdings - wurde das Korsett zum weitverbreiteten Instrument für einen schönen und vor allem schlankeren Körper.

Seit dem 19. Jahrhundert ändern sich die Idealvorstellungen in immer schnellerem Wechsel, existieren bisweilen sogar nebeneinander. In den Goldenen Zwanzigern war Natürlichkeit genauso legitim wie der in den Städten anzutreffende Gegenentwurf mit seinen kurzgeschnittenen Haaren, blasser Haut und dem roten Schmollmund. In den zwei Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte dann wieder eine vollschlanke Figur vor, die mit Sophia Loren und Marilyn Monroe nur zwei von einer Vielzahl berühmter Vertreterinnen hatte.

Für einen Bruch sorgten wiederum die 70er: Das britische Model Twiggy bereitete im Grunde genommen den Weg für all jene Schönheitsideale, die seither unter verschiedenen Namen - ob „Heroin Chic” oder „Size Zero” - vor allem sehr schlanke Körperformen in den Fokus stellen. Daneben ist durch die Supermodels der 80er Jahre aber ebenso das immer noch gerne angeführte „90-60-90”-Ideal auf die heutige Zeit gekommen.

Aktuell scheint sich zwischen „Size Zero” und den mittlerweile etablierten „Plus Size”-Models ein neues Ideal herauszubilden. Die Generation Fitness feiert athletische Frauentypen wie Ronda Rousy und das aus mehreren Gründen. Zum einen weil das neue Ideal ohne den entsprechenden Einsatz nicht zu erreichen ist, weil ein trainierter Körper jünger und schlanker ist und zum anderen weil körperliche Fitness auch darüber hinaus mit durchweg positiven Assoziationen verbunden ist: Willenskraft, Leistungsstärke und Gesundheit sind eben auch wichtige individuelle Triebfedern in der Leistungsgesellschaft dieser Tage.

2. Die richtige Verpackung

Das individuelle Schönheitsideal

Die spöttelnden und oftmals verletzenden Äußerungen über „Plus Size”- und „Magermodels” gleichermaßen dürfen nicht den Blick darauf trüben, dass es inzwischen ganz unterschiedliche Schönheitsideale für praktisch jeden Geschmack gibt. Es mag auch nicht jeder Athletinnen wie Rona Rousy oder Serena Williams als schön empfinden, genauso wenig wie die Figur von Kim Kardashian als alleiniges Körperideal konsenstauglich ist.

Auf der anderen Seite muss sich auch niemand mit seiner Figur abfinden, wenn sie nicht den persönlichen Wunschvorstellungen entspricht. Tatsächlich ist nicht einmal notwendig, dem omnipräsenten und schier nicht enden wollenden Fitness-Wahn unserer Zeit zu verfallen - und auch auf selten wirklich vorteilhafte operative Eingriffe kann verzichtet werden.

Körperformen selbst gemacht I: Shapewear

Es ist keine Erfindung des 21. Jahrhunderts, aber seit dem Siegeszug des amerikanischen Modelabels Spanx, das zur Jahrtausendwende von Sara Blakely ins Leben gerufen wurde, ist sogenannte Shapewear auch nichts mehr, woraus ein Geheimnis gemacht werden müsste. Was früher unter dem biederen Begriff der Miederware dabei helfen sollte, Problemzonen zu kaschieren, ist heute ein völlig anerkanntes Mittel des Bodyforming.

Nicht unerheblich ist dabei sicherlich der öffentliche Zuspruch internationaler Prominenter, die gar keinen Hehl mehr aus ihren Griffen in die Bekleidungs-Trickkiste machen. Was für Bridget Jones noch zu peinlichen Momenten beim Herumturteln führte, ist längst über diesen Status hinaus. Warum auch, schließlich hatte jede Epoche ihre ganz eigenen Hilfsmittel, um dem jeweils gängigen Ideal näher zu kommen - seien es nun Korsetts für die berühmt-berüchtigte Wespentaille, gepuderte Perücken oder Schulterpolster.

Die körperformende Wäsche von heute hat sich seit den unbequemen Korsetts vergangener Tage zudem selbstverständlich weiterentwickelt. Die Produktpalette ist bei Formwäsche inzwischen so vielfältig, dass für nahezu jede Situation eine passende Lösung bereitliegt. Dabei ist „passend” durchaus wörtlich zu verstehen, denn das sollen Bodysuits, Taillenslips, Pantys und Bustiers in erster Linie. Der gewünschte Effekt lässt sich zwar nur dann erzielen, wenn die Shapewear wirklich eng am Körper anliegt. Andererseits ist ein zu enger, einzwängender Sitz, der womöglich noch für unangenehme Druckstellen sorgt weder von den Herstellern noch von den Trägerinnen erwünscht.

Dementsprechend muss zum einen die richtige Passform gefunden werden, zum anderen tragen aber auch die verwendeten Materialien dazu bei, dass der Tragekomfort nicht auf Kosten des Kaschierens zu kurz kommt. Daher werden solche Materialien verarbeitet, die sowohl dehnbar genug sind, um sich dem Körper anzupassen, aber zugleich auch stark genug, um ihn in Form zu bringen. Zu diesem Zweck bieten sich Kunstfasern wie Elasthan und Polyamid an, die zudem den weiteren Vorteil haben, atmungsaktiv zu sein. Deswegen werden beide ebenfalls zur Herstellung von Sportmode genutzt. Zur Bequemlichkeit beim Tragen wird überdies auf Haken und Ösen, vielfach sogar auf Nähte verzichtet.

Die Möglichkeiten, Bauch, Beine und Po ins rechte Licht zu rücken, beschränken sich im Übrigen beileibe nicht mehr nur auf die Formwäsche für darunter, noch auf die genannten Materialien. Vielmehr ist es absolut möglich, auch Strickklamotten oder Jeans für denselben Zweck zu erstehen. Wie bei der körpermodellierenden Unterwäsche sorgen hier ebenfalls bestimmte Materialien oder Schnittformen für den gewünschten Effekt: Bauchansätze verschwinden, der Po wird gepusht, die Silhouette insgesamt an den richtigen Stellen betont.

Körperformen selbst gemacht II: Funktionsunterwäsche

Selbst diejenigen, die das persönliche Bodyforming zusätzlich um sportliche Aktivitäten erweitern wollen, können sich über die Unterstützung von Seiten der Textilindustrie freuen. Denn Funktionsunterwäsche ist heutzutage ein regelrechtes Hightech-Produkt, das auf ganz unterschiedliche Anforderungen hin zugeschnitten ist.

Im wahrsten Sinne sogar, denn einige dieser Anforderungen sind denen der Shapewear ganz ähnlich. Auch beim Sport, egal welcher Art, gilt es unangenehme Druckstellen oder Reibung zu vermeiden. Da aber Funktionsunterwäsche ebenfalls am besten eng am Körper anliegt, verzichten die Hersteller vielfach auf eventuell störende Nähte, Sport-BHs sind überdies mit breiteren Trägern versehen, die nicht in die Haut einschneiden können.

Die eigentlichen Funktionen der Sportwäsche liegen allerdings doch auf einem anderen Gebiet. Übereinstimmung mit der Shapewear besteht noch hinsichtlich der Wichtigkeit der Atmungsaktivität. Während die Formwäsche jedoch dadurch die Schweißbildung möglichst vermeiden möchte, ist Funktionsunterwäsche dahingehend weitestgehend optimiert. Schließlich sorgt das Schwitzen beim Sport dafür, den Körper vor Überhitzung zu bewahren. Daher muss Wäsche für Sportler zwar dafür sorgen, dass gebildeter Schweiß abtransportiert wird - aber zwecks besserer Regulierung der Körpertemperatur eben auch nicht zu schnell.

Ansonsten erhält der Körper nicht den benötigten Kühlungseffekt, reagiert stattdessen mit dem Öffnen der Poren und schwitzt folglich noch mehr. Allerdings spielt nicht nur die Geschwindigkeit des Schweißtransports eine Rolle, sondern auch die unterschiedlich starke Schweißbildung verschiedener Körperstellen. Berücksichtigt wird daher, dass im Bereich von Rücken, Nacken und Brust deutlich mehr Schweiß produziert wird, als beispielsweise an den Schultern.

Umgekehrt gibt es aber Situationen, in denen die richtige Isolierung des Körpers von größerer Bedeutung ist. Das gilt beispielsweise je nach gerade herrschender Jahreszeit oder der betriebenen Sportart. Skisportler oder Winterjogger soll die Funktionsunterwäsche dann vor dem Auskühlen schützen - das im Übrigen auch beim Studiotraining eine nachteilige Wirkung auf die Leistung haben kann. Den Ansprüchen hinsichtlich ausreichender Kühlung bzw. Isolierung tragen die Hersteller mit der Verwendung unterschiedlicher Materialien Rechnung, so dass die Funktionswäsche je nach Bedarf angepasst werden kann.

Abbildungen